Teil VI: 2021 bis heute
76. Familientag: 24.- 26. September 2021 in Tangermünde/Jerichow (Jubiläumsfeier: 100 Jahre FV Schrader e.V.).
Bedingt durch die Corona-Pandemie hatte die für 2020 geplante 100-Jahr-Feier des Familienverbandes Schrader e.V. um ein Jahr verschoben werden müssen.
Festredner in Jerichow war der prominente Namensforscher Prof. Dr. Jürgen Udolph aus Göttingen.
Für besonderen musikalische Momente sorgte die Berliner Harfenistin Simonetta Ginelli.
Dr. Udolph erklärte in seinem Vortrag eine Fülle von Namen, deren Bedeutung und Herkunft sich aus unterschiedlichen Ursprüngen ableiten lassen. So handelt es sich um Berufsbezeichnungen wie Zimmermann, Maurer oder Sattler, um die Wohnstätte („Hans am Ende“) oder um bestimmte Eigenschaften. Der Name Schrader entstand nach Dr. Udolph als „mundartliche Variation“ des Namens Schröder, der wiederum die Tätigkeit des Zuschneidens, des „Schröden“ oder „Schraden“ und damit den Beruf des Schneiders bezeichne.
Rolf Naumann, langjähriger Leiter des Klostermuseums Jerichow, schlug eine Brücke von Ludwig Schrader, der Anfang des 19. Jahrhunderts für fast zwei Jahrzehnte mit seiner Familie als Pächter auf der Domäne Jerichow gelebt hatte bis in die Gegenwart. Mit der Überführung seines Archivs aus Eutin nach Jerichow im Jahre 2009 habe der Familienverband bewusst an die alte Schrader-Tradition angeknüpft.
Am Abend versammelten sich die Mitglieder und Gäste zu einem festlichen Bankett im Tagungshotel „Schwarzer Adler“ in Tangermünde. Der stellv. Vorsitzende Kapitän a.D. Klaus Schrader präsentierte eine Fülle von Gruppen- und Einzelaufnahmen aus der 100-jährigen Geschichte des Familienverbandes.
Ehrenmitglied Lieselotte Schrader, die auf eine 75-jährige Mitgliedschaft zurückblicken konnte, gab zahlreiche Erläuterungen und schilderte eindrucksvoll die ersten drei Familientage nach dem Zweiten Weltkrieg, die unter äußerst bescheidenen Umständen 1948-1950 in Düsseldorf standfanden, organisierst von ihrem Vater, Ehrenmitglied Rudolf Schrader.
77. Familientag: 30, September – 2. Oktober 2022 in Warendorf.
21 Basen und Vettern aus Deutschland und den Niederlanden versammelten sich am Freitagabend im Hotel „im Engel“ in Warendorf, einem der ältesten familiengeführten Häuser des Landes, seit 1692 und mittlerweile in der 10. Generation im Besitz der Familie Leve.
Im Stadtbild ist unschwer zu erkennen, dass Warendorf als „Stadt des Pferdes“ vom Reitsport geprägt ist. Sämtliche deutsche Olympiasieger und Olympiasiegerinnen ebenso wie alle Weltmeisterinnen und Weltmeister in der Dressur wie im Springreiten werden in der Innenstadt mit im Boden eingelassenen Namenstafeln gewürdigt. Viele neue Einsichten vermittelte der Besuch im nordrhein-westfälischen Landgestüt, in dem neben Vollblütern auch die für den Reitsport unentbehrlichen Warmblüter und die Kaltblüter gezüchtet werden, die vornehmlich in der Landwirtschaft zum Einsatz kommen. In das Landgestüt ist seit 1968 die Deutsche Reitschule integriert, welche das Zentrum der Berufsreiterei darstellt und sich den Aufgaben der beruflichen Aus- und Fortbildung wie auch dem Prüfungswesen widmet.
Der festliche Abend begann mit zwei Vorträgen. Unter der Überschrift „Familienforschung im Wandel der Zeiten“ zog Vetter Bernd ein Fazit aus seiner mehrjährigen Forschungsarbeit als Verbandsarchivar. An Beispielen nahm er die Versammlung mit auf eine typische Forschungsreise zu den Ahnen und zeige dabei die modernen Möglichkeiten des Internets ebenso auf wie die Grenzen, die der Gesetzgeber durch die verschiedenen Gesetze zum Datenschutz der Arbeit eines forschenden Archivars setzt.
Vorsitzender Vetter Harald stellte eine historische Person in den Mittepunkt seiner Ausführungen. Johann Christoph Schrader (1683-1744) war ein Berliner Apotheker, der im 18. Jahrhundert auch als Kaufmann erfolgreich war. Seinen Aufstieg verdankte er Einheirat in die berühmte Apothekerfamilie Zorn. Seine Tochter Johanna Elisabeth und ihr Ehemann Georg Ernst Stahl pflegten einen freundschaftlichen Umgang mit den Bach-Söhnen Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emanuel.
78. Familientag: 29. September – 1. Oktober 2023 in Quedlinburg.
Nach 1997 war die Welterbestadt Quedlinburg zweites Mal Tagungsort eines Familientages.
Seit 994 steht die Stadt, in der Otto der Große 962 zum deutschen Kaiser gekrönt wurde, auf der UNESCO-Welterbeliste der schützenswerten Kulturgüter. Das hat seinen Grund in dem einmalig geschlossenen historischen Stadtbild, den mehr als 2000 malerischen Fachwerkhäusern und der Stiftskirche mit dem Stiftsgebäude auf dem Schlossberg.
In seinem Vortrag am Abend erläuterte Verbandsarchivar Vetter Bernd die Erfolge der Ahnenforschung an Beispielen.
Vorsitzender Vetter Harald schilderte anhand von Fotos die Familiengeschichte des Geheimen Sanitätsrates Dr. med. Wilhelm Schrader 81855-1929), der die dritte Generation der Quedlinburger Ärztedynastie repräsentierte. Das Leben dieser Großfamilie war überschatte von der Krankheit und dem frühen Tod der Ehefrau und sechsfachen Mutter Hedwig Schrader 81856-1901).
79. Familientag: 27. – 29. September 2024 in Helmstedt.
Vom Tagungshotel „Best Western“ am Lappwald hatten die angereisten 18 Basen und Vettern einen wunderbaren Ausblick über Helmstedt und auf den Höhenzug des Elm.
Besonderes Interessen erfuhren bei der Stadtführung die Professorenhäuser, in denen im 17. Jahrhundert unter anderem der berühmten Theologieprofessor Georg Calixt (1586-1656) mit seiner großen Familie gelebt und gewirkt hatte. Einer der im Hause Calixt wohnenden und zahlenden Gäste war für längere Zeit auch Christoph Schrader (1601-1680), nachmaliger Professor der Beredsamkeit (Rhetorik) und Bibliothekar. Über seinen 1709 geadelten Sohn Kilian ist Christoph der Stammvater aller noch lebenden Familien „von Schrader“. Mit seiner stetig wachsenden Kinderschar lebte Professor Christoph Schrader in einem inzwischen mit einer modernen Fassade verputzten Haus in der Gebäudezeile in der Straße Südertor.
Für die Geschichte und Entwicklung Helmstedts spielt die ehemalige Landesuniversität eine herausragende Rolle. Gegründet wurde die Alma Mater am 15. Oktober 1575 und gelangte in wenigen Jahren zu großer Blüte. Gründer und Stifter war der Landesherr Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel (1528-1589). Mit der napoleonischen Neuordnung Europas musste 1810 auch die Universität Helmstedt ihre Tore schließen. Noch heute erinnern die jährlichen „Universitätstage“ an diese bedeutende Tradition Helmstedts.
Der Besuch des „Zonengrenzmuseums“ konfrontierte die Teilnehmenden anhand von Bildern, Texttafeln und einer Modellanlage mit der Geschichte und dem technischen Aufbau der Grenzanlagen mit Stacheldrahtsperren und Todesstreifen. Fast 30 Jahre lang hat der „Eiserne Vorhang“ die beiden Teile Deutschlands gewaltsam voneinander getrennt.
Der Vortrag von Verbandsarchivar Vetter Bernd am Abend war der Sippe Quedlinburg gewidmet, die aufgrund neuerer Forschung nun ihren Ursprung in Gatersleben hat und daher von nun an als Sippe Schrader (-Gatersleben) geführt wird.
80. Familientag: 26. -28. September 2025 in Weimar.
Das Treffen in der Stadt der deutschen Klassik fand im Hotel „Leonardo“ statt, das genau gegenüber dem Ilmenau-Park genau gegenüber liegt, der einst unter Mitwirkung von Johann Wolfgang von Goethe angelegt worden ist.
Am Sonnabend versammelten sich knapp 30 Basen und Vettern vor dem Goethe-Haus am Frauenplan, um durch das Goethe-Nationalmuseum der Klassik Stiftung Weimar geführt zu werden.
Im Anschluss bot sich die Gelegenheit, das Wohnhaus Goethes mit originalen Einrichtungs- und Sammlungsgegenstände auf eigene Faust zu erkunden. Die Mittagspause wurde genutzt, um das Flair dieser einzigartigen Stadt zu genießen, in der bedeutende Persönlichkeiten der deutschen Geistes- und Kulturgeschichte gewirkt haben.
Bei der Stadtrundfahrt in einem Panorama-Cabrio-Bus wurde die Fülle von vorbeiziehenden Eindrücken angenehm erläutert und eingeordnet durch einen gesprochenen Kommentar.
Der Höhepunkt des festlichen Abends war der Vortrag des in Weimar geborenen und an der Hochschule für Musik lehrenden Musikwissenschaftlers und Musikpädagogen Wolfram J. Huschke. Er las und kommentierte Goethes „Nachruf auf Anna Malia in Goethes Worten“.
Anhand der Stammreihe Schrader-Immenrode referierte Archivar Bernd Schrader über den Zusammenhang von „Familienforschung und Lokalgeschichte“. Anschaulich erläuterte Vetter Bernd, welche Mittel und Wege die Ahnenforschung bereitstellt um einen „toten Punkt“ in der eigenen Arbeit zu überwinden und dabei die Lust an der Familienforschung nicht zu verlieren. (hs)