Teil I: Die Familientage 1920 – 1939
1. Vorbemerkung und Überblick.
Unser Familienverband ruht auf drei Säulen.
- Das ist zum einem das Archiv mit den seit der Gründung gesammelten genealogischen Unterlagen.
- Das sind zum anderen die mehr oder weniger regelmäßig erscheinenden Mitteilungshefte des
Familienverbandes und - das sind schließlich eben unsere Familientage.
Heute möchte ich etwas vom Geist und von der Leuchtkraft der Familientage aufscheinen lassen.
Wenn man die Liste der Familientage betrachtet, so kann man einige Beobachtungen machen.
Die Goldene Ära des Verbandes umfasst nach meinem Eindruck die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts,
also die Zeit der ersten elf Familientage. Von der Gründung des Verbandes im Jahre 1920 an fanden bis 1930 jährlich Familientage statt. Sie begannen in der Regel am Abend des Sonnabend mit einem gemütlichen Beisammensein und wurde am folgenden Tag mit Vorträgen und der Mitgliederversammlung fortgesetzt. Meist endete der Familientag mit einem festlichen Abendessen. Der Abreisetag war dann der Montag.
Ursprünglich wurde die Gründung des Verbandes am 27. Dezember 1920 in Berlin-Spandau als erster Familientag gerechnet. Später wurde die Zählung verändert und man begann mit dem Familientag 1921,
der ebenfalls in Berlin-Spandau zusammentrat. Später hat sich wiederum die ursprüngliche Zählung durchgesetzt.
Die folgenden Familientage: 3. Familientag 1922 in Magdeburg, 4. Familientag 1923 in Hannover,
5. Familientag 1924 in Braunschweig, 6. Familientag 1925 in Goslar, 7. Familientag in Hildesheim,
8. Familientag 1927 in Soest, 9. Familientag 1928 in Halberstadt und der 10. Familientag 1929 wiederum in Braunschweig.
Im Jahre 1930 endete die goldene Epoche des Familienverbandes. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen und politischen Lage in Deutschland wurden für fünf Jahre keine Familientage zusammengerufen.
Doch dann kam es zwischen 1936 und 1939 zu einer zweiten Blüte: Zu vier Familientagen wurde ins westfälische Hagen (1936), nach Bad Harzburg (1937), Magdeburg (1938) und Hannover (1939) eingeladen.
Von einem dieser Vorkriegsfamilientage hat Vetter Hans-Ludolf die Erinnerung bewahrt, dass die Herren zum festlichen Abendessen im Smoking erschienen. Im Jahre 1940 sollte der Familientag in Bad Pyrmont zusammentreten. Die Wirren des ausgebrochenen Krieges machten diese Planung zunichte. Es entstand eine neunjährige Unterbrechung.
Erst 1948 versammelten sich unter sehr schwierigen äußeren Bedingungen Basen und Vettern in Düsseldorf zu einem Familientag. Düsseldorf – das war die Heimatstadt des Vorsitzenden Paul Schräder (- Küblingen) und des Schatzmeisters Rudolf Schräder (-Königslutter), des Vaters unserer Base Lieselotte.
Für die drei aufeinanderfolgenden Jahre 1948, 1949 und 1950 blieb Düsseldorf Tagungsort der Familientage. Das gastfreundliche Haus des Schatzmeisters machte es möglich, auch unter sehr bescheidenen Umständen fröhliche Familientage zu begehen. Base Lieselotte, die in der Nachfolge ihres 1965 verstorbenen Vaters das Schatzmeisteramt übernahm, hat noch sehr genaue Erinnerungen an diese Düsseldorfer Familientage nach dem Weltkrieg.
Zwischen 1948 und 1954 fanden wiederum jährlich Familientage statt.
Dann gab es für zwei Jahre – 1955 und 1956 – keine Familientage. 1957 wurde der 23. Familientag nach Bad
Pyrmont eingeladen und damit der ausgefallene Familientag von 1940 gleichsam nachgeholt.
1958 traf man sich in Ratzeburg, der Heimat unseres Archivars Carl Hermann. In den 15 Jahren zwischen dem 24. Familientag 1958 in Ratzeburg und dem 29. Familientag 1973 in Bad Harzburg kam es nur zu vier Treffen: 1961 in Altenau im Harz, 1968 in Braunschweig, 1969 in Goslar, 1971 wiederum in Altenau.
In den Jahren 1959 und 1960, 1962 bis 1967 sowie 1970 und 1972 – das heißt, in insgesamt 10 Jahren – fanden keine Familientage statt.
Seit 1973 begehen wir die Familientage jährlich. Das bedeutet, dass seit dem 29. Familientag D973 in Bad Harzburg bis zum 67. Familientag 2011 in Delft /Niederlande 39 Familientage in ununterbrochener Folge stattgefunden haben.
2. Die Anfänge
Von Anfang an gab es im Familienverband prägende Personen. Da war zum einen der erste Archivar, der legendäre Richard Schrader (-Hornburg). Auf ihn geht die gesamte Systematik unseres Archivs zurück. Bereits um die Jahrhundertwende hat er damit begonnen, die Geschichte seiner Familie zu erforschen und sich mit anderen Schrader-Forschem zu vernetzen. Nur so ist es zu erklären, dass der Verband von Anfang an über beachtliche Archivbestände verfugte. Richard Schrader (-Homburg) wurde bereits beim Familientag 1921 in Berlin-Spandau zum 1 .Ehrenmitglied ernannt.
Dann gab es die Mitbegründer des Verbandes, von denen hier nur zwei namentlich erwähnt seien, weil sie sich an jenem denkwürdigen dritten Weihnachtsfeiertag 1920, am 27. Dezember als Triumvirat mit Richard Schrader (-Homburg) in der Wohnung von Dr. Hans Schrader (-Thale) getroffen haben.
Der Dritte im Bunde war Pfarrer Hermann Schrader (-Derenburg). Nicht mit dabei in Berlin-Spandau war, obwohl ein Mann der ersten Stunde, der Quedlinburger Rechtsanwalt und Notar, Martin Schrader
(-Quedlinburg).
Die zweite prägende Person neben Richard Schrader (-Homburg) war der erste Vorsitzende des jungen Familienverbandes, Geheimrat Dr. jur. Emil Schrader (-Badeleben). Er war Direktor im Oberhofsmarschallamt des Kaisers und Königs von Preußen und Justitiar der Königlichen Hofämter in Berlin gewesen.
Emil Schrader (-Badeleben) führte den Verband von 1921 bis zu seinem Tod am 9. Oktober 1935.
Beim 6. Familientag, am 4.0ktober 1925 in Goslar wurde er zum 2. Ehrenmitglied ernannt.
Emil Schrader (-Badeleben) hat schon früh die Schaffung eines Verbandswappens angeregt. Im Jahre 1923 übernahm er auch das neu geschaffene Amt eines Heroldsmeisters.
In den Gründerjahren wurden übrigens alle Ämter nur auf ein Jahr gewählt. Vom 3. Familientag in Magdeburg wird berichtet, dass einige Mitglieder vorzeitig abreisen mussten aufgrund der “Zuglage”.
Offenbar verkehrten die Züge der Deutschen Reichsbahn damals nicht so verlässlich. Aber das kennen wir auch von der Deutschen Bahn. In den Niederlanden ist das vermutlich ganz anders.
Zu den ältesten aktiven Mitgliedern unseres Verbandes gehören übrigens die Eltern unseres Vetters Klaus, Sippe Groß-Gleidingen, Mitglied des Beirates. Sein Vater Kurt Schrader (1871-1948), Direktor in Hagen, spielte bereits in den Zwanziger Jahren eine wichtige Rolle. So hat er den 11. Familientag 1930 in
Bremen geleitet, weil der Vorsitzende Emil Schrader (-Badeleben) – wie bereits im Vorjahr – am Erscheinen gehindert war. Auch Klaus’ Mutter, unsere verehrte frühere Vorsitzende, Base Anneliese Schulte-Schrader
(-Eilenstedt), hat als junge Frau an den Familientagen in den dreißiger Jahren teilgenommen und dabei auch ihren Mann kennengelemt.
In den Jahren 1922 bis 1924 traten insgesamt 110 Personen dem Familienverband bei, der seine höchste und nie wieder erreichte Mitgliederzahl von 181 Personen im Jahr 1926 verzeichnete.
Wir haben in der Vergangenheit häufiger über den Charakter unserer Familientage diskutiert.
Dabei habe ich stets betont, dass wir von unserem Ursprung her primär ein Verband von Familienforschem sind und nicht ein Verein zur Pflege der Geselligkeit von Menschen gleichen Namens. Dass der gesellige Austausch, dass die Freude nicht zu kurz kommen darf, versteht sich von selbst. Von dieser Grundbestimmung unseres Verbandes ergibt es sich ganz folgerichtig, dass im Mittelpunkt unserer Familientage Vorträge stehen sollen, die das Leben von Schrader-Familien über mehrere Generationen darstellen oder das Lebensbild einzelner Persönlichkeiten des Namens Schräder nachzeichnen. Doch damit dies möglich ist, müssen sich Basen und Vettern aufmachen, vorhandene Unterlagen aufzuarbeiten oder gar selbst Forschungsarbeit in Bibliotheken und Kirchenbüros zu leisten. Das ist mühsam und das kostet Zeit.
Wir wissen, dass es stets nur wenige sind, denen es möglich ist, sich dieser Aufgabe zu übernehmen. Die Klage über zu wenig Forschungsaktivität ist nicht neu. Ich zitiere den schon erwähnten Archivar Richard Schrader (-Homburg), der 1928 in Halberstadt beim 9. Verbandsfamilientag, so die damalige Sprachregelung, dazu Bemerkenswertes ausführte:
“Unsere Tätigkeit kann lediglich im Sammeln, Vorbereiten, Beobachten, Aufzeichnen bestehen, und diese Tätigkeit erscheint vielen recht langweilig, so dass sie beizeiten die Flinte ins Korn werfen. Wäre es möglich, die Familiengeschichte von heute auf morgen bis auf Adam und Eva zu ergründen, so wäre es begreiflich, wenn der Familiengeschichtsforscher sehr bald das Interesse an der Sache verlöre, denn wenn eine Sache vollständig fertig ist, wird sie beiseite gestellt und vermag uns nur noch ganz selten und vorübergehend zu packen.
Es ginge uns wie einem Menschen, der dauernd satt ist. Den vermag auch eine mit den auserlesensten Gerichten besetzte Tafel nicht zu interessieren. Hunger ist der beste Koch. Wer den hat, dem wird auch die bescheidenste Mahlzeit munden und ihn zu neuer Tatkraft stärken. Wer gelernt hat, sich auch an den kleinsten Erfolgen seiner Arbeit zu freuen, den wird alle Mühe und Arbeit nicht verdrießen, und sollte er noch so viele Fehlschläge erleben.
Satt sein ist unser schlimmstes Übel. Wir wollen uns ja nicht ärgern, wenn nicht alles nach unserm Willen und im Eiltempo geht. Wir wollen Gott danken, daß er uns die Arbeit nicht so leicht gemacht hat, danken, daß er uns auch manchmal lange in einem Irrtum befangen hält.
Nicht in der restlosen Ergründung aller Geheimnisse wollen wir unsere Seligkeit suchen,
sondern im Hunger und Durst… Selig sind, die da hungert und dürstet.”
Nun ist mir klar, dass wir Heutigen derartige Aufforderungen zum asketischen Leben und Arbeiten nicht so gern hören. Beeindruckend finde ich allerdings die Nüchternheit und den Realismus dieser Einschätzung von familiengeschichtlicher Arbeit. Es handelt sich eben um ein mühsames Geschäft. Aber vielleicht gilt auch hier der Satz “Der Weg ist das Ziel”. Das Gefühl, unterwegs zu sein zu neuen Erkenntnissen und Einsichten, birgt etwas Aufregendes, das nicht dadurch an Bedeutung verliert, weil wir bisweilen nicht weiter zurückkommen oder die Datenlage doch zu dürftig bleibt, um das Leben von Vorfahren in befriedigender Weise rekonstruieren zu können.
Und auch das gab es bei den frühen Familientagen. Dass viele Mitglieder es trotz hehrer Absichten nicht einrichten konnten oder einzurichten wussten, zu den Familientagen zu erscheinen. Vom 10. Familientag, der 1929 zum zweiten Mal in Braunschweig stattfand, hat sich ein Vetter aus Karlsruhe poetisch abgemeldet, und zwar in Form eines Gedichtes unter der Überschrift
“Zum 29. September 1929”:
In fernem Land – unnahbar meinem Schritte –
Ist heut das Schradersche Familienfest;
Ich wäre gar zu gern in Eurer Mitte
Und bin betrübt, daß sichs nicht machen läßt!
So schwer mirs fallt, ich muß darauf verzichten
An diesem schönen Tag dabei zu sein.Ich bin gebunden durch verschiedne Pflichten –
Ihr werdet das verstehen und – verzeihn!
Heut kanns nicht sein! Drum übe ich Entsagung,
Doch übers Jahr, da komm’ ich, so Gott will!Legt aber bitte nicht die nächste Tagung
Nach Buxdehude oder nach Tripstrill!
Solch eine Reise kann ich nicht vertragen –
Drum, wollt Ihr mich in Eurer Mitte sehn,Dann müßt Ihr hier in unsrer Gegend tagen —
In Süddeutschland ists nämlich auch ganz schön!
Doch wünsche ich Euch heute frohe Stunden –
Und bin ich auch persönlich nicht dabei,Wir bleiben in Gedanken stets verbunden! —
Es lebe hoch die ganze Schraderei!
3. Die Dreißiger Jahre.
Beim 11. Verbandsfamilientag am 27. und 28. September 1930 in Bremen wurde mit “großem Beifall”, wie das Protokoll vermerkt, der Antrag von Artur Schrader (-Rottmersleben) aus Hannover angenommen, nach dem in jedem Jahr von einem Mitglied ein Vortrag über ein familiengeschichtliches Thema gehalten werden sollte. Der Antragsteller bot an, für das kommende Jahr den ersten Vortrag zu halten zum Thema “Namensbildung im Allgemeinen und Bildung des Namens Schrader im Besonderen”.
Bei diesem Familientag wurde übrigens der Vorschlag ab gelehnt, einen festen Tagungsort zu wählen.
Begrüßt wurde dagegen die Empfehlung, bei der Wahl der Tagungsorte die Plätze zu berücksichtigen, die “Gelegenheit zu Forschungen” böten. Der 12. Familientag sollte am 1. Oktober 1931 in Berlin stattfinden.
Doch dazu kam es nicht mehr. Der wirtschaftliche Niedergang seit 1930 und die damit einhergehende Not breiter Bevölkerungskreise sollte – wie bereits erwähnt – zu einer fünfjährigen Unterbrechung der Familientage führen.
Die Mitgliederzahl sank in diesen Jahren um über ein Drittel auf 120 Personen im Jahr 1934. Die Chronik vermerkt, dass nach Abschluss des Familientages einige Schraders am Montag noch die Gelegenheit benutzten, um nach Wesermünde zu fahren und den Riesendampfer “Columbus” zu besichtigen, der gegen 1 Uhr mittags “unter Tücherschwenken und unter den Klängen “Muß i denn zum Städtle hinaus” in See stach.
Erst im Jahre 1936 kam man zum 12. Familientag zusammen. Bezeichnenderweise fand dieser Familientag nicht wie bisher im Herbst statt, sondern im Januar. Am 25. und 26. Januar 1936 traf man sich im westfälischen Hagen.
Für den im Vorjahr verstorbenen Ersten Vorsitzenden Geheimrat Dr.jur Emil Schrader (-Badeleben), wurde der 38-jährige Paul E.Schrader (-Küblingen) (geb. 24.9.1897) gewählt, der wie sein Vater Paul sen. Kaufmann in
Düsseldorf war und dem Verband seit 1924 als Mitglied angehörte. Die Wahl sei auf ihn gefallen, so hat es mir Vetter Carl-Hermann geschildert, weil man unbedingt einen jüngeren Vorsitzenden haben wollte. Es gab einfach die Befürchtung, dass bei der Wahl eines betagten Herrn zu schnell die Frage der Nachfolger akut geworden wäre. Paul Schrader (-Küblingen) hat dann diesen Erwartungen voll und ganz entsprochen und das Amt des Verbandsvorsitzenden 31 Jahre lang bis zu seinem tragischen Unfalltod am 13. September
1967, wenige Tage vor seinem 70. Geburtstag, ausgeübt. Der Mitgliederbestand hatte 1936, vermutlich infolge des mehrjährigen Ausfalls der Familientage, mit 108 Personen einen Tiefstand erreicht. Nun sollten noch drei Familientage im Jahresrhythmus folgen, bis der 2. Weltkrieg für neun Jahre die Durchführung von Familientage verhinderte. Mit zunehmender Kriegsdauer kam das Verbandsleben mehr und mehr zum Erliegen.
Der 13. Familientag versammelte am 22. und 23. Mai 1937 Basen und Vettern wiederum im Harz. Nach Goslar und Halberstadt war nun Bad Harzburg als Tagungsort gewählt worden.
Mit 38 Teilnehmenden erreichte der Familientag eine Besucherzahl, die sich erst 1969 wieder einstellen sollte. Wenn wir bei Familientagen heute in der Regel mehr als 40 Personen sind, dann ist das – gemessen an den Familientagen der Vorkriegszeit – eine stattliche Zahl.
Der 14. Familientag wurde zum 18. und 19. Juni 1938 nach Magdeburg und zwar in das Hotel “Magdeburger Hof eingeladen. Unter den Gästen befanden sich Jack Schrader (-Königslutter) aus London und – ich bitte um besondere Aufmerksamkeit – erstmals Mitglieder aus den Niederlanden. Es waren, wie die Chronik vermerkt, nur Männer. Die Frauen waren offenbar zu Hause geblieben. Ausdrücklich und anerkennend wird betont, dass die niederländischen Mitglieder “extra im Auto” nach Deutschland gefahren waren.
Die Chronik bezeichnet den 14. Familientag als die “wohl erfolgreichste und bedeutungsvollste Tagung aller bisherigen Familientage” und betont, dass die gesamte große Presse Deutschlands in ausführlichen Artikeln über den Verlauf berichtet und auf die Bedeutung dieser Tagung hingewiesen habe. Der Grund für einen Familientag in Magdeburg hing zusammen mit der Wiederentdeckung und Instandsetzung der Erbgruft der Sippe Schrader-Rottmersleben in der Heilig-Geist-Kirche im Jahre 1935. Diese im Jahre 1713 von Peter III Schrader-Rottmersleben (1670-1736) errichtete Erbgruft war 1809 von den Napoleonischen Besatzungstruppen geschlossen worden.
Diese Gruft, die in 44 Särgen Sippen-Angehörige aus fünf Generationen beherbergte, war die größte erhaltene Erbgruft einer bürgerlichen Familie in Deutschland. Die aus dem Mittelalter stammende Heilig-Geist-Kirche ist im Jahre 1959 auf Veranlassung des Magdeburger Rates unter dem DDR-Regime abgebrochen worden. Die Särge mit den Toten wurden verbrannt und die Kirche mit der Gruft eingeebnet. Damit ist diese einmalige Gedenkstätte der Familie Schrader-Rottmersleben vernichtet worden.
Zum 15. Familientag – schon im Schatten des aufziehenden Krieges – kam man am 17. und 18. Juni 1939 in Hannover zusammen.
Unter den Gästen war ein neues Mitglied aus den Vereinigten Staaten, nämlich Fregattenkapitän Albert E. Schrader (-Lauenau) aus Batesville im Bundesstaat Indiana. Er war damals Militärattache der USA in Berlin und nahm später an der Schlacht um Pearl Harbour teil.
Nun senkte sich der 2. Weltkrieg wie ein Verhängnis über Deutschland und von Deutschland ausgehend über ganz Europa mit Auswirkungen auch auf andere Erdteile. Am Ende stand ein Europa mit verwüsteten Ländern und verstörten Menschen. Eine Menschheitskatastrophe von bis dahin unvorstellbaren Ausmaßen hatte eutschland, Europa und die ganze Welt irreversibel verändert.